Hans Holz, Aufbruch zum Artglauben – Heft 15

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Was ist Religion?

Das ist wohl die ungeheuerlichste Fälschung, mit der eine fremde Lehre unser Volk heimgesucht hat, indem sie Religion und Glauben als einzig und allein an die christliche Kirche und ihre Dogmen gebunden ausgab und noch heute ausgibt. Religiös, so behauptet sie, ist nur, wer Mitglied der christlichen Kirche ist und sich zu ihren Lehrsätzen bekennt, gläubig nur, wer nach ihnen lebt. Wer also seinen Gott außerhalb des christlichen Dogmen-Gemäuers sucht und findet, gilt in den Augen der Priesterschaft, mag er charakterlich noch so gut und wertvoll sein, als „verlorenes Schaf“, als „Heide“. Diese Tatsache ist mit der Grund dafür, daß mancher, der längst keinerlei Bindungen zur christlichen Kirche mehr spürt, außer denen des Steuerzettels, doch die äußere Bindung der Mitgliedschaft aufrecht erhält. Er möchte nicht als „Ungläubiger“ und als „Heide“ gelten.

Nun, Religion und Glaube sind an keine Kirche, an keine Konfession, an keine Bibel und an keinen Priester gebunden. Es gilt, die Menschen unserer Art aus dem Irrwahn zu erlösen, daß sie nur auf dem Wege über das Christentum ihren Gott finden könnten.Keiner von uns wird als protestantischer oder katholischer Christ geboren, erst später steckt man ihn in eine der Konfessionen hinein. Was er aber mit auf die Welt bringt, ist sein Erbgut. Dieses ist das ursprünglichste, das Natürliche und Selbstverständliche. Aus ihm allein erwächst der artgemäße Glaube, der uns angeboren wurde, und der deshalb nicht aufgezwungen zu werden braucht, wie das Christentum den heidnischen Sachsen oder Norwegern, sondern der nur bewußt gemacht zu werden braucht.

Was ist nun Religion?

Es ist das Sehnen in uns, das uns erfüllt, wenn wir nächtlicherweise unter dem bestirnten Himmel stehen, und unsere Seele sich emporschwingen möchte, um wie in einer Glocke Ton im All zu schwingen und zu klingen. Es ist das Verlangen nach Vollendung. Schweiften deine Blicke einmal vom einsamen Strande über das weite Meer, über dessen grüngläserne Wellen der blaue Himmel sich leuchtend wölbte? Lauschest du nicht ergriffen dem Rauschen der See und war es dir nicht, als rührte Ewiges dich an, da der Sturm das Meer aufwühlte und die Gischt hoch emporschleuderte? Oder weiltest du einmal im tiefverschneiten, schweigenden Winterwald, entrückt dem jagen und Hasten, und fühltest du hier nicht, wie es in dir ganz feierlich still wurde? Oder atmestet du einmal die reine Luft der Bergesgipfel im Hochgefühl?Du lauschst den Werken unserer großen Meister. Richard Wagners, Beethovens unsterbliche Weisen tragen und erheben deine Seele hoch hinaus über den grauen Alltag. Es wird ganz still in dir.Mit einem schlichten Arbeiter sprach ich, der seit Jahrzehnten keine Kirche mehr von innen gesehen hatte. Er war auf einer Schiffsreise nach Norwegen gefahren. In der Dämmerung eines verlöschenden Spätsommertages war das Schiff nahe den jäh abstürzenden, ragenden Felsendomen der norwegischen Fjorde vor Anker gegangen. Grieg’sche Weisen ertönten in die feierliche Stille. Der Mann erzählte mir, daß er zu dieser Stunde seinen Gott wiedergefunden habe, den ihm die Kirche genommen hatte. Noch nie habe er so erschütternde Augenblicke tiefster Andacht und Weihe erlebt.

Religiöses Fühlen, Glaube, der aus den Genen stammt, bedarf keiner Kirche oder Konfession, keiner Priester. Er wird mit uns geboren und von uns weitergereicht in die fernsten Geschlechter.

Jedes Geschöpf ist den Gesetzen der Natur unterworfen, in die es hineingeboren wurde. Es gibt hunderte von Baumgattungen, jede von ihnen muß sich nach dem ihr eigentümlichen Gesetz entwickeln, blühen und Frucht tragen. Die Eiche wird immer wieder die eckige und knorrige Verästelung haben, ihr hartes Holz bleibt sich stets ebenso gleich wie Blatt und Frucht des Baumes. Wie sollte man auch Datteln und Feigen von ihm erwarten!Man kann von den vielen hundert verschiedenartigen Bäumen nicht einen herausgreifen und sagen: seht, dieser Baum verkörpert sämtliche Bäume; er ist immer nur Vertreter einer Art. So kann es auch eine für alle Menschenarten gültige Heilslehre geben; sie wird immer abhängig sein und sein müssen von der Rassenlehre. Deswegen hat es immer wieder das Aufbegehren gegen den aus anderem Geist entstandenen Fremdglauben gegeben. Luther entthronte die Kirche, die Wissenschaft entthront die Bibel. Das Alte ist morsch geworden und splittert und fault an allen Enden. Da ist das winzige Neue, lebensträchtig und jung, zukunftsfreudig und voll starker Ansätze, das die Oberhand gewinnen wird. es wird siegen, weil es das Natürliche, das Ursprüngliche ist, weil es aus den angeborenen Anlagen erwuchs. Indem wir um die Ewigkeit unserer Art wissen und uns als Glieder ihrer Geburtenkette fühlen, indem wir die sich daraus ergebende Verpflichtung spüren und ihr leben, sind wir dem Göttlichen nahe.

Freut Euch des Lebens!

Frohe Menschen brauchen keine Kirche, keinen Pastor und keinen Priester. „Nur die Mühseligen und Beladenen“ finden den Weg zu ihnen. Aus der ganzen Geschichte des Christentums wird deutlich, daß ihnen eine heitere und sonnige Lebensfreude, ein von Fesseln befreites, jauchzendes Lachen nicht recht ist. Daß ihre Lehre gedeihe, brauchen sie Menschen, die das Leben verneinen, in ihm eine Last und eine Qual sehen, an ihm leiden. Sie möchten Sie in Sack und Asche sehen, Menschen ohne Lebensmut und Lebensfreude, Menschen, die sich abkehren von dem „irdischen Jammertal“.Sie ereifern sich von den Kanzeln herunter „Es ist Trauern besser denn Lachen, denn durch Trauern wird das Herz gebessert. Das Herz der Weisen ist im Klagehause, und das Herz der Narren im Hause der Freuden.“ Und ein andermal heißt es wieder: „Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh, wie dies stirbt, so stirbt er auch, und haben alle einerlei Odem, und der Mensch hat nichts mehr denn das Vieh, denn es ist alles eitel.“Sich des Lebens zu freuen, ist in ihren Augen sträfliche Sünde.„Wir leben“, so meinen sie, „in einem Jammertal und unsere christliche Aufgabe besteht darin, unseren sündhaften Leib durch strenge Zucht und Kasteiung vorzubereiten auf die ewige Seligkeit im viel besseren Jenseits“.Statt des Lachens froher Menschen wollen sie das zerknirschte Gestammel reuiger und büßender Jämmerlinge, die im Staube kriechend um Gnade und Barmherzigkeit winseln.

Stolze, aufrecht schreitende Menschen sind ihnen ein Greuel, ihr Wunsch ist es, demütig ergebene Wichte um sich zu haben, die von der Wertlosigkeit und Nichtigkeit desn irdischen Daseins überzeugt, sich an sie als Mittler zur „ewigen Jenseits-Seligkeit“ klammern. Durch Drohungen und Versprechungen fügig gemachte Kreaturen sind ihr Ziel.Sie hassen die starken, selbstbewußten Persönlichkeiten, sie hassen mannhafte Charaktere, sie wollen die angstvoll sich duckende Masse, die gehorsam wie eine Herde Schafe die ihr zugewiesene Straße trollt. Immer wieder das Bild von „Hirt und Herde“ – gut gewählt, da der Hirte die Schafe zu seinem Nutzen schert. Sie wollen Knechts- und Sklavenseelen, die „nicht lieb haben die Welt und was in der Welt ist“, und die alle Bedrängnis und Pein willig tragen in der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Auf die Duldsamkeit solcher Wesen gründet die christliche Kirche ihr weltliches Regiment.

Wir aber stimmen ein in das Lied der tiefen Lebensfreude!. Wir glauben, daß dieses Dasein mit allen seinen Köstlichkeiten und auch mit allen Schmerzen tausendfach lebenswert ist. Wir lieben die Welt und was in der Welt ist, denn sie ist so schön und birgt Wunder, sonder Zahl und Maß. Schlagt entsetzt die Hände zusammen ob unseres sündhaften Treibens, aber wir bleiben dabei: wir lieben diese Welt!

Wie beglücken uns die brausenden Meere, die rauschenden Wälder, wie erquickt der segensträchtige Acker unser Auge! Sieh, wie leuchtend blau der Himmel sich darüber wölbt und wie die Luft flirrt vom heißen Sonnengold! Wir freuen uns des ersten , schüchternen Grüns im Frühling und der ersten Schneeflocken im Winter!Wir freuen uns guter Menschen und guter Taten. Erheben uns nicht die Werke unserer großen Meister zu den Sternen?

Wir freuen uns jedes Morgens, der uns vor Aufgaben und Pflichten stellt, jedes Tages, der unsere Arbeit werden und wachsen sieht, jeder abendlichen Stunde, die uns Erholung und Erbauung gewährt und jeder Nacht, die uns neue Kräfte sammeln läßt zu neuem Beginnen.Freudig bekennen wir uns zum Leben. Und mag es uns einmal hart anpacken, so fühlen wir im federnden Widerstand und im mutigen Siegen unsere Kraft und Stärke. Gerade im Ringen und Kämpfen spüren wir besonders, wie schön und wie köstlich das Dasein ist.

Allen Finsterlingen zum Trotz singen wir laut und fröhlich das Lied der Lebensfreude. Lebensverneinung führt zur Tatverneinung, wer das Leben leugnet, leugnet die Pflichten, die sich aus ihm ergeben, er stellt sich außerhalb des Kreises der Aufgaben, die es jedem einzelnen auferlegt. Wir stehen mit beiden Beinen auf dieser Erde, ohne fortwährend nach dem höchst ungewissen und niemals bewiesenen „Jenseits“ zu schielen. Wir hegen weder eine Höllenfurcht, noch bedürfen wir einer Hoffnung auf ein himmlisches Leben mit Dank und Lohn für gute Tat.

Wir glauben an die Werte des Diesseits, in denen die Ewigkeit unserer Art wurzelt, und indem wir um solche Werte ringen, dienen wir dem Göttlichen. Unser Reich ist durchaus von dieser Welt, auf der wir schaffen und wirken wollen mit allen Kräften des Leibes und der Seele, ein jeder an dem Platze, auf den er gestellt ist. Und die Freude sei der Tat Begleiterin!

Die letzte Stunde

Was hat die christliche Kirche aus dem Tode gemacht: ein dürres, knochenklapperndes Gespenst, das Furcht und Entsetzen verbreitet, wo es nur geahnt wird.Wie sie die Lüge von der Erbsünde erfand, um vom zartesten Alter ab den Menschen in die Gewalt zu bekommen, so ersann sie sich ein Mittel, um diese Macht dem Menschen bis zu seinem letzten Atemzuge fühlbar zu machen: „Der Tod ist der Sünde Sold!“

Aus der natürlichen, gottgewollten Ordnung haben sie den Tod herausgenommen und ihn zu einer Strafmaßnahme herabgewürdigt. Nur mit Bangen und Beben stehen ihm die meisten Menschen entgegen.Brächten wir doch den Mut auf, uns von dem kirchlichen Wahn zu lösen, im Tode keine fürchterliche Strafe, sondern in ihm einen Freund Hein, wie die Norddeutschen sagen, zu erkennen, der eine schöpfungsgemäße Sendung erfüllt.

Worin besteht sie denn?Was wir Tod nennen, ist nichts anderes als der Sieg des jungen, zum Licht drängenden, trächtigen und zukunftsgewissen Lebens über das alte, welke, absterbende, zu Blüte und Frucht nicht mehr fähige.

Du willst, daß deine Art, dein Volk ewig sei?So wisse, daß der Tod des Alten und Morschen unabweisbare Voraussetzung ist für die Ewigkeit, denn nicht dieses, sondern das junge Element ist des Lebens Wiege.

Gewiß, wer jemals am Grabe eines guten Kameraden gestanden oder einem lieben Freund die Augen zugedrückt hat, weiß, wie schwer solche Scheiden sind. Es ist hart, den Vater, die Mutter zu verlieren und bereitet schmerzensreiche Stunden. Aber ist da denn wirklich ein Verlieren in der Stunde des Todes? Wirklich ein Ende?

Nein, das Leben ist niemals Verneinung, es kennt weder Anfang noch Ende. Der da eben den letzten Atemzug tat, war und bleibt ein Glied in der Kette seiner Sippe, in der Kette seiner Art. Dem Schoß ferner Ahnen entwuchs er, sein Fleisch und Blut, sein Geist wandelt in seinen Kindern und Enkeln weiter unter uns. Seine Taten überdauern ihn und wirken in die Zukunft hinein.Es ist keiner nur er selbst. Jeder wurzelt in seinen Ahnen, jeder trägt Verantwortung vor den Werdenden und Künftigen. Tod ist nur ein Formzerbrechen, dazu dienend, daß das neue Leben sich um so kraftvoller entfalte. Höchstes Glück dünkt es uns, nicht an, sondern für etwas zu sterben.

Was aber nach dem Tode kommt? Es wäre Vermessenheit, diese Frage zu beantworten. Es kann uns auch nicht kümmern. Wir gehören dieser Erde, waren Glieder unseres Volkes und unserer Art. Wenn wir angesichts des nahenden Todes das Bewußtsein haben dürfen, unserer Art gegenüber mit all unseren Sinnen und Trachten unsere Pflicht getan, ihr nach bestem Wissen und Gewissen gedient zu haben, dann braucht uns vor dem, was nach dem Tode kommt, nicht bange zu sein.

Ein ewiges Leben im Jenseits – nein, daran vermögen wir nicht zu glauben, aber wir glauben an unsere ewige Art!

Dieser Glaube aber gibt unserem Leben und Sterben höchste Weihe.