Dieter Vollmer, Nordwind – Heft 33

4,00

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3803 n. St., 58 Seiten


Vorwort

Den Leser erwartet in den Gedichten Dieter Vollmers nicht Lyrik im üblichen Sinne, das heißt die poetisierende Verinnerlichung irgendeines Erlebnisses. Auch der Titel „Nordwind“ setzt nicht auf Naturwirklichkeit oder Eindrucksbeschreibung. … Sie sind Bekenntnis-Gedichte, ein bannender Zauberspruch, der gewagt werden muß, um sich über das Letzte im Eigenen klar zu werden. Sie wollen deshalb auch nicht belehren, sondern wach machen. Wach machen vielleicht auch andere, zur Erlösung aus der Blicklosigkeit des Sonntagsspaziergängers, aus der Routine des Sehens, Hörens, Denkens, der dummgewordenen Gefühle, der ausgeleierten Empfindung.

Richard Krüger


Der Strom

Leben ist wie ein Fluß:
Beständig voller Bewegung
Über zermahlenen Sand
Zieht er zeitlos dahin.

Oben strudelt und schäumt
Das vielgestaltige Wasser
Aber die Tiefe treibt
Unaufhaltsam zum Meer

Jedes einzelne lebt
Als Welle, glitzern ein Weilchen
Mit dem Tode erst taucht
Alles zurück in den Strom


Losungen

(aus: „Gedanken aus dem Norden“)

Vor der Natürlichkeit kapitulieren alle Künste


Wo das Werden höher geachtet wird als das Sein, dort bedarf es keiner steinernen Denkmäler und Tempel.


Der Schrei nach Unsterblichkeit der eigenen, persönlichen Seele ist nur eine Form der Todesfurcht.


Nur das Erlittene wird zum Besitz.


Hinter dem Ideal der Härte versteckt sich oft die Unfähigkeit zur Liebe, die seelische Impotenz.